Deutschland ein Frühlingslied – Michael Schernthaner

“Deutschland, ein Frühlingslied”
I
Es ist im lieblichen Monat Mai,
Als ich nach Haus, nach Deutschland fahr.
Ins wiedervereinigte Heimatland,
Das jahrelang gespalten war.

Ich komme von Süden, vom Brenner her,
Wo die Strassen solide gebaut.
Es herrscht hier wirklich ein reger Verkehr,
Der sich zuweilen auch staut.

Zu den Kutschen sagt man Autos jetzt.
Die werden auch nicht mehr gezogen.
Sie rasen zuweilen dermaßen schnell,
Als kämen sie angeflogen.

Ich sitze in so einer Kutsche drin,
Die Alpen fliegen an mir vorbei.
Alles hat sich verändert jetzt,
Auch der Osten ist wieder frei.

Gespannt wie ein Kind zu Weihnachten
freu ich mich auf mein Zuhause.
Auf dem Rastplatz, hoch droben, am Brenner See,
verweile ich bei einer Pause.

Was wird mich erwarten? Was kommt auf mich zu?
Was darf ich jetzt glauben und hoffen?
Ein Wunder ist in Berlin geschehen,
Die Grenze steht einladend offen.

Der neunte November bewegte die Welt
Nicht nur in den deutschen Ländern.
Durch ihn wird sich das Weltsystem
In seiner Gesamtheit wohl ändern.

Die innerdeutsche Grenze ist nun
Wie durch Zauberhand aufgeschlossen.
Der Grund dafür war ein Missverständnis
Unter den alten Genossen.

Das Zentralkomitee der SED
Hatte sich nicht richtig besprochen.
Die Mauer ist an diesem Fauxpas
Tatsächlich dann auch zerbrochen.

Und als ich wieder nach Deutschland kam,
Durchströmte mich süßes Empfinden.
Mein Vaterland war wieder vereint.
Es konnte sich friedlich verbünden.

Ich hoffe auf kluge Veränderung,
Im Denken und auch im Handeln.
Der Westen soll mit dem Osten jetzt
Zu einem Staate sich wandeln.

Bald nach dem Krieg entstanden hier
Zwei deutsche ‚Bruderstaaten’.
Die eine Hälfte war amerikanisch,
Die andere russisch beraten.

Die Teile wurden streng getrennt
Durch Machtanspruch und Intrigen.
Im Osten gab man die Losung heraus:
“Der Sozialismus wird siegen!”

Über ein viertel Jahrhundert hat
Sich dieser Zustand gehalten.
Und immer wieder wurde versucht,
Die Menschen auch geistig zu spalten.

Auf beiden Seiten hatte man sich
Gegen die Zerteilung gewehrt.
Geändert hat das allerdings nichts;
Die Ostzone blieb abgesperrt.
………..

Das war jetzt der erste Ausschnitt aus dem Gedicht von Michael Schernthaner, der seine Reise durch das wiedervereinigte Deutschland beschreibt. Heinrich Heine trat seine Winterreise von Paris aus an, bekanntermaßen lebte er dort im Exil. Heute kommt der Reisende natürlich aus Italien. Jedenfalls, wenn man in München lebt, dann kann das selbstverständlich gar nicht anders sein. Somit fährt Michael Schernthaner von Italien aus über die Alpen nach München. Da ich seinen Spuren folgen werde und ich ja nicht dichten kann, sondern nur backen, werde ich das Frühlingslied mit den einzelnen regionalen Spezialitäten begleiten. Deshalb gibt es morgen ein Rezept aus Italien.

Ich hoffe Ihr habt ein wenig Spaß und begleitet uns auf dieser literarisch gebackenen Reise durch Deutschland

Euer Michael Schernthaner und Martin Schönleben

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