Frankfurter Brenten – Deutschland ein Frühlingslied

Goethe

Frankfurter Brenten sollen der Legende nach das Lieblingsgebäck von Goethe gewesen sein und seine Mutter musste sie immer für ihn backen. Deshalb gehört es auch hierher, bevor ich die Reise durch das wiedervereinigte Deutschland antrete, da Goethe doch eine wichtige Rolle im Frühlingslied von Michael Schernthaner spielt.

Auch wenn nicht ganz sicher ist, ob dieses Gebäck wirklich in der Familie Goethe gegessen wurde, so ist eines aber ist zweifelsfrei erwiesen: Eduard Mörike war ein großer Fan dieser Frankfurter Spezialität. Schließlich hat er ein Gedicht verfasst, in welchem er genau beschreibt, wie man diese herstellt.
Wenn man sich dieses Gedicht genau durchliest, dann merkt man sehr bald, dass diese Brenten unseren bayerischen Springerle sehr ähnlich sind. Beide werden nämlich in Formen gedrückt. Aber bei den Brenten verwendet man einen viel feineren Teig. Mandeln, Zucker und Rosenwasser erwähnt Mörike in seinem gedichteten Rezept und im Grunde beschreibt er in seinen Versen recht anschaulich die Herstellung von Marzipan. Dies zeigt uns auch schon die Herkunft dieses Gebäckes an. In den wohlhabenden bürgerlichen Kreisen muss dieses Gebäck entstanden sein. Hingegen das „Münchner Marzipan“ wie Springerle auch noch genannt werden, sind ein bäuerliches Gebäck. Hier wurden die Zutaten verwendet, die am Bauernhof vorhanden waren: Eier, Mehl, Zucker (früher Honig) und aus diesen machte die Bäuerin einen einfachen und billigen Teig. Damit diese Plätzchen wenigstens schön anzusehen waren, hat man sie in aufwendig geschnitzte Holzformen gedrückt und dann erst gebacken. Wenn die Bauern auch arm waren und ihr Speisezettel etwas einseitig, so war doch im Winter deutlich weniger zu tun auf dem Bauernhof und es war Zeit für solch aufwändige Gebäcksorten. Aber hier nun das bürgerliche Rezept von Eduard Mörike:

Eduard Mörike: Frankfurter Brenten

Mandeln erstlich, rat’ ich dir,
Nimm drei Pfunde, besser vier
(Im Verhältnis nach Belieben);
Diese werden nun gestoßen
Und mit ordinärem Rosenwasser feinstens abgerieben.

Je aufs Pfund Mandeln akkurat
Drei Vierling Zucker ohne Gnad’!
Denselben in den Mörsel bring’,
Hierauf ihn durch ein Haarsieb schwing.

Von deinen irdenen Gefäßen
Sollst du mir dann ein Ding erlesen,
Was man sonst eine Kachel nennt,
Doch sei sie neu zu diesem End’!
Drein füllen wir den ganzen Plunder
Und legen frische Kohlen unter.

Jetzt rühr’ und rühr’ ohn’ Unterlaß,
Bis sich verdicken will die Mass’,
Und rührst du eine Stunde voll!
Am eingetauchten Finger soll
Das Kleinste nicht mehr hängen bleiben;
So lange müssen wir es treiben.

Nun aber bringe das Gebrodel
In eine Schüssel (der Poet,
Weil ihm der Reim vor allem geht,
Will schlechterdings hier einen Model,
Indes der Koch auf ersterer besteht.)

Darinne drück’s zusammen gut!
Und so hat es über Nacht geruht,
Sollst du’s durchkneten Stück für Stück,
Auswellen messerrückendick.
Je weniger Mehl du streuest ein,
Um desto besser wird es sein.

Alsdann in Formen sei’s geprägt,
Wie man bei Weingebacknem pflegt;
Zuletzt – das wird der Sache frommen –
Den Bäcker scharf in Pflicht genommen,
Daß sie schön gelb vom Ofen kommen!

Eigentlich hat hier Eduard Mörike ganz genau beschrieben, wie man früher Marzipan hergestellt hat. Und so ist es auch ziemlich einfach, dieses Gedicht in die Tat umzusetzen. Aber wir können es uns noch wesentlich einfacher machen, denn das Marzipan müssen wir heutzutage nicht mehr mühsam selbst herstellen, hier hält die Industrie einige sehr gute Marzipanrohmassen für uns bereit. Deshalb für alle Handwerker hier jetzt ein modernes Rezept, alle Literaten unter uns, können ja nach Mörikeanleitung backen.

Frankfurter Brenten

Zutaten:
500 g Marzipan-Rohmasse
50 g  Puderzucker
10 g Rosenwasser
etwas abgeriebene Zitronenschale

Zubereitung:
Alles miteinander verkneten, dann ca. 10 mm dick mit Puderzucker ausrollen. Das Marzipan in eine Holzmodel drücken (die Model auch mit Puderzucker bestreuen), anschließend die Model abziehen und die Brenten in Form des Abdruckes ausschneiden. Die Brenten lege ich dann auf ein Blech mit Backpapier. Jetzt muss ich den Puderzucker mit einem Pinsel von den Brenten entfernen. Über Nacht lasse ich die feinen Plätzchen etwas antrocknen und am nächsten Tag lasse ich Goethes Lieblingsgebäck bei ca. 210 ° C etwa 5 Minuten schön hell backen. Wenn möglich die Unterhitze ganz abdrehen und nur mit Oberhitze backen. Die Brenten sind fertig, wenn sie oben ein wenig Farbe bekommen haben. Wichtig ist, man sollte sie eigentlich nur abflämmen und nicht backen, dann bleiben sie auch schön saftig und sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein wahrer Weihnachtsgenuss. Deshalb würde ich sie gar nicht in den Ofen schieben, sondern nur mit einem Bunsenbrenner abflämmen. Wenn Sie diese Frankfurter Plätzchen einmal ausprobiert haben, dann wissen Sie, warum gerade diese Gebäckspezialität unserem Dichterfürsten Goethe am besten gemundet hat.

Viel Spaß beim Nachbacken wünscht Ihr

Konditormeister Martin Schönleben

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