Gold- und Silbertorte

Die süßen Seiten der Politik – Teil 17

(Lieber) Sehr geehrter Herr Josef Ackermann,


von Ihnen habe ich gar keine Lieblingssüßspeise bekommen. Ich habe auch gar keine angefordert. Sie sind ja auch gar kein Politiker. Obwohl …. Irgendwie sind Sie ja doch politisch unterwegs. Man hat zur Zeit sogar den Eindruck, Sie wären Frau Merkels spezieller Freund und Vertrauter. Aber ich glaube im Moment läuft es nicht so gut für Sie und Ihre Bankkollegen. Und ehrlich gesagt, wenn Sie so weiter machen, dann muss ich das nächste Mal auch die Linken wählen und dass obwohl ich doch Unternehmer bin. Ich habe zwar nur eine kleine Bäckerei, aber trotzdem habe ich mich in unserer sozialen Marktwirtschaft doch recht gut eingepasst. Aber leider lassen sich unsere Regierungen immer wieder neue Gesetze einfallen, die mir das Leben schwer machen. Wenn ich unsere Bundeskanzlerin beraten würde, dann könnte ich ihr schon einiges erzählen, was sie für mich und meine Bäckerkollegen machen könnte, damit es uns in Zukunft besser geht.

Aber leider beraten Sie unsere Bundeskanzlerin und nicht ich. So kann man davon ausgehen, dass auch in Zukunft eher nette Gesetze für Banken und nicht für Bäcker gemacht werden. Und stellen Sie sich das einmal vor Herr Ackermann, jeder der bei mir ein Brot kauft, muss Steuern zahlen. Da haben Sie es aber schön, wenn man bei Ihnen eine Aktie kauft, dann ist gar nichts fällig. Richtig so, werden Sie sagen, denn Aktien sind schließlich staatstragend. Aber früher waren die Bäcker auch staatstragend, denn man war so besorgt um die Versorgung mit unserem täglichen Brot, dass es Bäckern untersagt war zu streiken. Ich weiß gar nicht, ob es dieses Gesetz noch gibt, oder ob es mittlerweile abgeschafft wurde. Auf alle Fälle finde ich es sehr seltsam, dass man auf Finanzgeschäfte keine Steuer zahlen muss und Sie uns erzählen wollen, das Abendland würde untergehen, wenn eine Aktie genauso wie ein Stück Brot vor dem Steuerrecht behandelt wird.

Wieso glauben Sie eigentlich, dass Sie mit der Schuldenkriese der Eurostaaten nichts zu tun haben? War es nicht so, dass wir, also alle Bürger der einzelnen Länder, Sie und Ihre Banken mit Milliarden gerettet haben? Schon vergessen? 2008 haben wir, denn wir alle haben ja die Steuergelder vorher bezahlt, die Geldinstitute gerettet. Und jetzt, wo bleibt denn die Gegenleistung? Wer rettet denn jetzt uns? Sie und Ihre Bank-Manager-Kollegen tun jetzt so, als ginge sie das alles nichts an. Aber wer berät denn ständig unsere Spitzenpolitiker? Und wer hat eigentlich diese ganzen Krisen ausgelöst? Ich war’s jedenfalls nicht!

Vor ein paar Jahren hatte ich wenigstens noch die Hoffnung, dass der neue amerikanische Präsident Barak Obama uns hilft, unsere Welt ein wenig gerechter zu machen. Aber hier wurde ich schwer getäuscht. Ich glaube, da bin ich nicht der Einzige, der sich hier wenigstens ein wenig Hoffnung gemacht hat und sich nun fragt, wer soll uns denn jetzt helfen, bei unserem Bemühen um Ausgleich, Solidarität und Gerechtigkeit. Auf Sie Herr Josef Ackermann können wir ja wohl kaum zählen!

Aber lassen wir das, denn ich habe ja eigentlich eine Torte für Sie gebacken, denn das kann ich viel besser als große Reden schwingen. Es ist eine Gold- und Silbertorte. Früher war das einmal ein Prunkstück auf einer Tortengala. Aber heute wird sie kaum mehr gebacken, was ziemlich schade ist. Jedoch musste ich für Ihre Torte die Silbertorte weglassen, denn mit Silberlingen geben Sie sich schon lange nicht mehr ab.

Deshalb hier das Rezept, für das was übrigbleibt, eine Goldtorte:

Gold- und Silbertorte ohne Silbertorte

Goldtorte:

120 g Butter

60 g Marzipanrohmasse

250 g Zucker

160 g Eigelbe (8 Stück)

geriebene Orangenschale

2 g Kurkuma

120 g Milch

360 g Mehl

90 g Maisstärke

8 g Backpulver

Aprikosenmarmelade

Grand Marnier

200 g Puderzucker

Zuerst rühre ich Butter und Zucker schaumig. Eigelbe und Milch gebe ich nach und nach dazu. Dann kommen die Gewürze hinein. Eigentlich sollte man ja Safran nehmen. Für Sie Herr Ackermann ist das ja kein Problem, jedoch wir müssen sparen, deshalb nehmen wir um eine schöne goldene Farbe zu bekommen das deutlich billigere Kurkuma. Jetzt aber versiebe ich Mehl, Maisstärke und Backpulver zusammen und meliere sie unter die Fettmasse. Nun fülle ich meine Masse in einen Ring oder eine Springform mit 28 cm Durchmesser und backe meinen goldenen Boden bei ca. 180 ° C etwa 40 Minuten. Wenn mein goldener Boden ausgekühlt ist schneide ich ihn in drei gleichmäßige Teile. Diese fülle ich dann mit Aprikosenmarmelade, die ich mit etwas Grand Marnier abgeschmeckt habe. Die einzelnen Böden werden jetzt mit einer Grand Marnier Tränke getränkt. Hierfür mische ich 200 g Puderzucker, 200 g Wasser und 300 g Grand Marnier. Außen streiche ich meine Torte mit Aprikosenmarmelade ein und decke sie mit Marzipan ein. Nein diese goldene Torte braucht unbedingt eine weiße Weste. Deshalb nehme ich Rollfondant, rolle ihn schön dünn aus und lege diesen über die Goldtorte. Eigentlich wollte ich Ihre Torte Herr Ackermann noch mit Goldperlen verzieren. Aber ich finde eine weiße Weste ist vollkommen ausreichend.

In diesem Sinne wünscht viel Spaß beim Nachbacken

Zuckerbäcker Martin Schönleben

 

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