Hasenöhrl – ein längst vergessenes Faschingsgebäck aus Altbayern

Wahrscheinlich wurden die gebackenen Hasenöhrl  stellvertretend für die alten Tieropfer gebacken und früher im ganzen Alpengebiet verbreitet. In der Schweiz schenkten die Madeln ihrem Burschen an Fastnacht ein Hasengebäck. Der Hase galt damahls und auch noch heute als ein Fruchtbarkeitssymbol. Traurigerweise ist dieser Brauch in Vergessenheit geraten und heutzutage vollkommen unbekannt. Zwar blieb der Name der traditionsreichen Speise: Hasenöhrl, noch in Erinnerung, gebacken werden dieses gschmackige bayrische Schmalzgebäck aber fast überhaupt nicht mehr.

In Österreich wurden sie auch Polsterzipf, Schneiderfleck oder Hasenwaschl genannt. Alte Kochbücher bezeichneten sie oft als „hahzenor“. Unzählige Varianten dieser Schmalznudel kann man finden, wenn man in ihnen stöbert. Im 16. Jahrhundert wurden zum Beispiel im Tegernseer Kloster die Hasenöhrl mit Quark angereichert, in Langohrform geschnitten und im heißen Schmalz gebacken. Diese wurden dann als Fastnachtsgericht zu Hasenragout mit Sauerkraut verspeist. Diese herzhafte Version backe ich nicht, aber eine süße Variante sollten Sie sich dieses Jahr wieder in der Faschingszeit gönnen.

Rezept:

Hasenöhrl:
60 g Butter
250 g Mehl
150 g Eier (3 Stück)
40 g Zucker
1 EL Rum
1 Prise Salz
etwas geriebene Zitronenschale
eventuell Weiswein

Zwetschgenröster:
frische Zwetschgen (klein geschnitten)
etwas Zucker
1 Prise Zimt
Schuss Rum

Für die Hasenöhrl verreibe ich zuerst die Butter und das Mehl. Anschließend kommen alle anderen Zutaten dazu und ich verknete alles so lange bis ein schön glatter Teig entsteht. Wenn der Teig zu fest ist, dann gebe ich noch etwas Weißwein dazu. Jetzt wickle ich meinen Teig in etwas Folie ein und lasse ihn für etwa eine halbe Stunde ruhen. Anschließend rolle ich ihn schön dünn aus, ca. 2 mm und schneide kleine längliche Dreiecke aus. Diese werden dann im heißen Fett auf beiden Seiten goldbraun ausgebacken, anschließend mit Puderzucker bestäubt und möglichst noch warm gegessen.

Gut dazu passt ein Zwetschgenröster. Dieser ist auch sehr schnell hergestellt: Einfach Zwetschgen in Schnipse schneiden etwas Zucker eine Prise Zimt und einen Schuss Rum dazu und dann auf dem Herd einkochen lassen. Ich gebe es ja zu, dass man jetzt kaum frische Zwetschgen bekommt. Aber es hätte so gut dazu gepasst! Deshalb für alle denen es zu teuer ist frische Zwetschgen aus Australien einfliegen zu lassen, Preiselbeerkompott oder Apfelmus schmeckt auch wunderbar.

Mir bleibt nur noch gutes Gelingen zu wünschen. Ihr Konditormeister.
Martin Schönleben

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