Kuriositäten die das “Fasten Kochbuch” empfiehlt

Ich habe mir ein altes Fastenkochbuch (Neues Fastenkochbuch von Marie Buchmeier) gekauft – eigentlich überhaupt nicht altmodisch gekauft, sondern ganz im Trend über EBay ersteigert. In diesem sehr alten Fastenkochbuch, wahrscheinlich von 1919, geht es natürlich nicht um irgendwelche neuentdeckten Frühjahrsdiäten, hochgelobte Schlankheitskuren oder andere dem Diätenwahn entsprungene Allheilsegen. Sondern ganz im wahren Sinne der Fastenzeit darum, was die Hausfrau leckeres kochen kann, ohne das Fastengebot der katholischen Kirche zu brechen. Da es früher viele Fastentage gab, machte ein solches Büchlein durchaus Sinn.

Schon im Vorwort macht sich die Autorin Gedanken, ob Maggi-Suppenwürze dass Freitagsfasten brechen würde. Von höchst kirchlicher Seite bekam die Antwort aber bestätigt, dass Maggi-Suppenwürze in der Fastenzeit eingesetzt werden dürfe, da es nur pflanzliche Extrakte enthielte. Mit den Worten: „Möge die Fastenküche den Beifall und die Zufriedenheit der Hausfrauen finden.“ beendete sie ihre Einleitung. Kochende Männer waren wohl damals noch gänzlich unbekannt. 522 Fastenrezepte hat Marie Buchmeier in ihrem Büchlein zusammen getragen. Es ist im Wesentlichen unterteilt in die Kapitel: Fastensuppen, Saucen, Fische, Eierspeisen und Mehlspeisen. Sogar Torten befinden sich in diesem Buch – und hier sind wir auch schon bei den Kapiteln, warum ich mir als Konditor ein solches Buch gekauft habe. Aufgrund meines Interesses an den Mehlspeisen, Kuchen, Torten und den vielen anderen in der Fastenzeit entstanden süßen Köstlichkeiten. Aber bevor ich zu den Mehlspeisen übergehe, möchte ich ihnen noch das kurioseste Rezept präsentierten, welches das Fastenkochbuch zu bieten hat:

Fischotter
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Ja, man mag es kaum glauben, aber Fischotter zu essen, war auch während der Fastenzeit erlaubt. Eigentlich sind Fischotter zu den Warmblütern einzuordnen und somit an Fastentagen verboten, aber da sie überwiegend im Wasser schwimmen, hat man sie unter die Fische eingeordnet. Allzu eintönig sollte der Speisenzettel des Gläubigen, dann doch nicht sein. Wer aber jetzt unbedingt einen Otter zubereiten will, der sei gewarnt, denn nach Ausführungen der Autorin soll der Fischotter trotz kostspieliger Zubereitung, nur einen mittelmäßigen Geschmack haben und immer seinen eigentümlichen Geschmack bewahren. Hauptschwierigkeit bei diesem Gericht wird jedoch das Besorgen von Fischotter sein. Sollte man hier fündig werden, dann wird das Tier zuerst ausgezogen und für einige Tage in laufendes Wasser gehängt. So soll das Fleisch seinen tranigen Geschmack verlieren. Dann in Stücke schneiden, salzen und mit Wurzelgemüse, Pfeffer, Nelken und Zitronenschnitzeln in Essig einlegen. Am nächsten Tag aus dem Essig nehmen nachsalzen, mit weißem Pfeffer bestreuen und Speckscheiben belegen in eine Bratreine geben. Etwas Butter dazu und mit Rotwein aufgießen. Dann zusammen mit dem Wurzelgemüse langsam braten. Zum Schluss noch die Sauce mit etwas Mehl binden, durchpassieren und mit etwas Zitronensaft abschmecken. Die Autorin bemerkt noch ausdrücklich, dass man dieses Gericht heiß servieren soll. Wie es schmeckt kann ich leider nicht berichten: Es war mir unmöglich irgendwoher einen Fischotter zu besorgen. Aber um ehrlich zu sein, habe ich mir auch nicht besonders viel Mühe dabei gegeben. Denn ich halte mich lieber an die bewährten Mehlspeisen.
Und eine davon werde ich ihnen im Folgenden präsentieren:

Schmalzrosen
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Ein Rezept für die Fastenzeit, aber nicht zum Abnehmen:
125 g Puderzucker
150 g Eier (3 Stück)
100 g Eigelbe (5 Stück)
75 g Butter
500 g Mehl
8 g Backpulver
1 Prise Salz
Mark einer halben Vanilleschote
Etwas geriebene Zitronenschale

 

Zuerst gebe ich alle Zutaten in eine Schüssel und verknete alles so lange, bis ein schöner glatter Teig entsteht. Dann wickle ich meinen Teig in eine Klarsichtfolie und stelle sie für ca. 15 Minuten kalt, damit sich der Teig entspannen kann. Jetzt rolle ich den Teig auf 2,5 mm Dicke aus. Anschließend steche ich 3 – 4 verschieden große Plätzchen mit einem runden Ausstecher aus. Jedes dieser Plätzchen bekommt außen 3 Einschnitte. Dann der Größe nach aufeinander legen. Das größte Plätzchen liegt dann unten und das kleinste Plätzchen ist ganz oben. Sie werden alle mit etwas Eiweiß angeklebt. Nun drücke ich sie noch mit dem Finger in der Mitte fest, so dass sich die kleine Rose außen nach innen wölbt. Dann im heißen Butterschmalz bei ca. 165 ° C backen. Nach dem Backen bestreue ich meine Schmalzrosen mit Zimtzucker oder noch besser wäre hier geeignet ein Rosenzucker. Wenn man alles richtig gemacht hat, dann kann man sich an den kleinen Röschen erfreuen.

Mir bleibt nur noch gutes Gelingen zu wünschen. Ihr Konditormeister.

Martin Schönleben

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