Papsttorte

Die süßen Seiten der Politik – Teil 13

Als Staatsoberhaupt des Vatikanstaates passt meine Papsttorte natürlich wunderbar in meine kleine Politikerserie. Da  die Kochblogger-Päpstin Zorra Geburtstag feiert, eigenet sich natürlich die Papsttorte wunderbar für Ihren Kochblogevent “7 Jahre Kochtopf”.

Der bayerische Papst kommt auf Deutschlandbesuch und spricht im Bundestag. Die Fraktionen unseres Bundestages haben ihn als Staatsoberhaupt des Vatikanstaates eingeladen vor den Parlamentariern zu sprechen. Doch nun gibt es doch einige Missstimmigkeiten und einige Bundestagsmitglieder wollten nicht der Rede des Oberhauptes der katholischen Kirche zuhören und haben deshalb zu gegebener Stunde den Plenarsaal verlassen. Ich denke, dass dies kein demokratisches Verhalten ist. Denn man sollte immer auch dem politischen Gegner zuhören. Hinhören ist das Wichtigste, denn wenn man gut zugehört hat, dann kann man auch gewaltig widersprechen. Denn ich glaube, dass unsere Demokratie vom Zuhören und miteinander Sprechen lebt. Wer weghört kann sich natürlich viel besser in seinen Vorurteilen suhlen. Er muss sich ja nicht damit beschäftigen, was jemand anderes zu sagen hat.

 

Und eines sollte man auch nicht vergessen, dass unser Staat doch auf christlichen Werten aufgebaut wurde und unsere Verfassung beginnt mit den Worten: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen hat sich das Deutsche Volk dieses Grundgesetz gegeben.“ Auch wenn hier nicht die Rede ist von welchem Gott, so ist doch davon auszugehen, dass ein christlicher gemeint ist und deshalb unser Staat auf den christlichen Werten Nächstenliebe, Solidarität, Gerechtigkeit, Gleichheit aufgebaut wurde. Protest ist natürlich immer legitim in einer Demokratie und es gibt genug an der katholischen Kirche und seinem Oberhaupt zu kritisieren, aber man sollte die Kritik dann auch anbringen uns sich nicht davon schleichen.

 

 

Wer von diesem Parteiengezänke genug hat, dem empfehle ich jedoch eine Wallfahrt nach Marktl am Inn, in den Geburtsort von Josef Ratzinger. Denn Marktl am Inn macht es uns vor, wie man einen bayerischen Papst am besten vermarktet. Diese kleine oberbayerische Gemeinde ist in einen regelrechten Papstwahn verfallen. Im Geburtsort von Josef Ratzinger gibt es beinahe alles zum Thema Papst. Die Bäcker backen Vatikanbrot, Ratzinger-Schnitten, Papst-Benedikt-Torten oder Papst-Benedikt-Mützen. Natürlich gibt es auch keine Petit Fours mehr, denn diese werden kurzerhand in Papa Fours umbenannt. Aber beim ortsansässigen Metzger gibt es selbstverständlich auch eine Papstwurst gewürzt mit Blumenblüten. Wer würde auch anzweifeln, dass unser Papst Blumen gerne mag. Und mit entsetzen müssen wir feststellen, dass es in diesem kleinen vorher unbekannten Ort nun auch einen Touristenkiosk gibt. Hier bekommt man dann auch wirklich alles von Kerzen mit einem Papstbild, Papstbären, Kugelschreibern, Servietten, Postern und alles sonst, was sich ein katholischer Wallfahrer wünscht. Nicht vergessen zu erwähnen darf man natürlich das Papstbier. Wie könnten wir Bayern auch weiterleben, ohne dieses für uns wichtigste Getränk in die entsprechende vatikanische Form zu bringen. Wer weiß was die Marktler sich zum diesjährigen Papstbesuch einfallen haben lassen?

 

„Wir sind Papst“ stellte ja die Bildzeitung schon vor langer Zeit fest. Ich gebe ihr ja nur ungern recht. Aber hier hat sie natürlich vollkommen recht. Und wenn wir schon alle Papst sind, dann ist es auch wichtig zu sagen, was uns im päpstlichen Angebot noch fehlt. Also aufgepasst liebe Marktler, meine Vorschläge wären: eine Benedikt-Weißwurst, ein Ratzinger-Likör, ein Papst-Wein, Papst-Bendikt-Cola und ein Papst-Prosecco. Aber vielleicht gibt es das ja mittlerweile alles schon.

 

Aber die armen Marktler Geschäftsleute wurden ja jetzt schon heftigst kritisiert, weil sie uns (wir sind Papst) so gnadenlos vermarkten. Eine kritische katholische Pfarrersseele hat dieses Phänomen einmal als „neue Marklwirtschaft“ kritisiert. Damit hat er natürlich recht, denn hier im Geburtsort von unserem Papst geht es natürlich nicht um den katholischen Glauben, es geht einfach nur ums schnöde Mammon. Die Leute wollen Geld verdienen. Wahrscheinlich müssen sie auch Geld verdienen, da nur wenige von ihnen Investmentbanker sind.

 

Man mag diese Papstsouvenirs kitschig finden und sie haben einfach auch nichts mit Frömmigkeit zu tun. Aber sehen wir das Ganze doch einmal von der anderen Seite. Was wäre, wenn sich Marktl dem ganzen Rummel widersetzen würde und man bekäme überhaupt keine geschmacklosen Andenken dort. Die Besucher wären enttäuscht. Nach einem Besuch des Taufbeckens von Josef Ratzinger würden sie ohne irgendwelche Souvenirs den Weg nachhause antreten. Und dort angekommen könnten sie sich nicht an dem Erworbenen erfreuen. Beim Abendessen gibt es kein Papstbrot mit Ratzingerwurst. Das wäre dann doch etwas schade, denn wie könnte man denn eine solche Pilgerfahrt besser abschließen, als zusammen zu sitzen und gemeinsam ein Papstbier zu trinken. Man lädt seine Freunde und Nachbarn ein und berichtet bei ein paar Papstbieren von der Wallfahrt. Aber das Allerschönste ist doch, dass niemand von uns gezwungen ist, sich auch nur ein Einziges dieser trivialen Mitbringsel zu kaufen. Ich bin ja sowieso dafür, dass wir uns unsere Papsttorte selber backen. Jeder sollte sein eigenes Papstrezept gestalten, schließlich sind wir ja Papst. Aber für alle, denen das zu mühsam erscheint, habe ich eine Papsttorte kreiert:

 

Rezept (für eine Papsttorte):

Ratzingerböden:

220 g Eiweiß

100 g Zucker

500 g Marzipanrohmasse

240 g Eigelb

50 g Weizen- oder Kartoffelstärke

eine Prise Salz

geriebene Zitronenschale

eine Prise Vanille

 

sonstiges:

1 Mürbeteigboden

200 g Wasser

200 g Zucker

300 g Klosterlikör oder Bierschnaps

Zartbitterschokolade

Aprikosenmarmelade

Marzipan

Rollfondant

 

Die Marktler Bäcker behaupten ja, dass unser Papst Benedikt XVI Marzipan liebt. Ich glaube zwar, dass dies nur von ihnen erfunden wurde, um mehr Marzipan zu verkaufen. Aber da ich auch das Gegenteil nicht wirklich belegen kann, backe ich meine Ratzingerböden mit einer Extraportion Marzipan. Natürlich nehme ich nur das Allerbeste, wie es sich für so eine Torte gehört. Also frisch ans Werk und zuerst das Eiweiß mit dem Zucker zu einem festen Schnee geschlagen. Nun die Eigelbe nach und nach unter das Marzipan rühren. Anschließend gebe ich die Gewürze dazu und schlage auch dieses Marzipan-Eigelb-Gemisch gut schaumig. Dann nehme ich ein wenig von der schaumigen Eiweißmasse und rühre sie unter das Marzipangemisch, damit ich anschließend das Eiweiß und die Stärke leichter untermelieren kann. Diese Masse fülle ich jetzt in den vorbereiteten Ring (5 cm hoch und 28 cm Durchmesser). In der Zwischenzeit habe ich schon den Ofen auf 180 ° C vorgeheizt. Hier hinein kommt nun der Ratzingerboden und muss dort ausharren für etwa 45 Minuten. Wenn er fertig gebacken ist, stelle ich ihn beiseite, damit er gut auskühlen kann. Damit ich weiß, wann mein Boden auch wirklich fertig ist, steche ich mit einem Holzstäbchen in die Mitte und wenn nichts mehr haften bleibt, darf er den Ofen verlassen. Sodann treffe ich die Vorbereitungen für die Fertigstellung dieser leckeren eines Papstes wirklich würdigen Torte. Wasser und Zucker werden kurz aufgekocht und auch beiseite gestellt zum Abkühlen. Wenn alles abgekühlt ist, mische ich das Zuckerwasser mit dem Klosterlikör oder dem Bierschnaps. Dies wird meine Tränke. Ich hatte hierbei zwei Überlegungen. Diese heilige Torte muss natürlich etwas mit der katholischen Kirche zu tun haben, deshalb also der Klosterlikör. Aber als Bayer hat Josef Ratzinger bestimmt auch gerne Bier getrunken. Deshalb passt natürlich ein Bierschnaps auch ausgezeichnet. Also habe ich beides ausprobiert, um zu ergründen, welches besser schmeckt. Und ich muss sagen, ich bin bis zum heutigen Tage zu keinem Ergebnis gekommen. Beides mundet wirklich ausgezeichnet. Deshalb können Sie selbst entscheiden, was Sie lieber nehmen wollen. Vielleicht berichten Sie mir ja einmal, was Ihnen am besten gemundet hat.

 

Aber nun zurück zum Tränken, mit einem Pinsel trage ich nun die Klosterlikör- oder die Biertränke auf den Boden auf. Die Hälfte auf die eine Seite und den Rest auf die andere Seite. Schön saftig muss die Torte am Schluss sein. Nun nehme ich meinen Mürbeteigboden und bestreiche diesen mit der Aprikosenmarmelade. Darauf stelle ich nun den getränkten Ratzingerboden, den ich anschließend aus dem Ring schneide. Wenn Sie wollen, können Sie natürlich den Mürbeteigboden auch weglassen. Geschmacklich tut dies der Torte keinen Abbruch, aber es ist dann schwieriger die Torte hin- und herzusetzen. Jetzt streiche ich die Torte mit der Aprikosenmarmelade rundherum ein. Rasple meine Zartbitterschokolade und streue diese oben und an den Rand des süßen Kunstwerkes. Wer will kann diese Kalorienbombe auch noch mit etwas Puderzucker verschönern. Aber zum Schluss forme ich noch aus dem Marzipan kleine Kreuze und verziere damit mein Meisterwerk. Wenn ich jedoch eine besonders festliche Torte machen will, dann decke ich sie mit Rollfondant ein und verziere sie anschließend mit Marzipan.

Damit wir uns nicht der Todsünde Völlerei schuldig machen, empfehle ich möglichst viele Freunde einzuladen und bei einem Stückchen Kuchen und einem Schlückchen Kaffee gemeinsam unserem Papa zu gedenken. Versuchung und Glaube bilden schließlich eine untrennbare Einheit und wenn man schon sündigt, dann macht es gemeinsam doch viel mehr Freude.

 

In diesem Sinne viel Spaß beim Nachbacken Ihr Zuckerbäcker

 

 

Martin Schönleben

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