Sehnsucht nach der guten alten Zeit

allerletzter Blogeintrag von „einfach ein schönes Leben“ am 24. Dezember 2033

 

„Früher war sogar das Gestern von Heute schöner!“

 

Jetzt nach so langen Jahren, und bevor auch ich meinen Blog einstellen werde, wird es Zeit einmal einen Rückblick zu wagen. Da die Meisten der damals beteiligten Hasardeure  längst nicht mehr bloggen, ist es auch vollkommen ungefährlich hier „Ross und Reiter“ zu nennen. Es ist geradezu meine historische Pflicht die Namen der Beteiligten zu nennen.

Ja es ist schon wahr, die gute alte Zeit ist längst schon vorbei und am liebsten würde ich ja hier ein Zitat von einem berühmten Deutschen Komiker bringen. Aber wir wissen ja, dass damals die Abmahnungsanwälte einige Blogger an den Rand des Wahnsinns trieben, bis diese schließlich aufgaben und ihre Blogs einstellten.

 

Kann sich noch irgendwer erinnern, wann der Untergang eingeläutet wurde? Nein, ihr seid ja alle viel zu jung dafür und kennt das meiste nur aus den Geschichten der alten Blogger. Ich weiß aber noch ganz genau, wie alles anfing. Es war der 1. April 2011 und es geschah ungeheuerliches in der Schweiz. Robert hochverehrter Küchenbloggerpapst erklärte seinen Rücktritt. Unter der Überschrift: „Die Frist ist um …“ erzählte er den staunenden Lesern, das er genug hätte, das ihm alles zuviel wäre und er schon den Meisten, der massiv gewachsenen Zahl der Kochblogs nicht mehr gewachsen wäre. „Burnout“ in der Schweiz wie man so schön sagt. Wenn er gewusst hätte, was dieser Rücktritt alles nach sich ziehen würde, ich glaube, dann hätte er es sich wahrscheinlich noch einmal überlegt und würde immer noch bloggen. Aber was war eigentlich geschehen?

 

Massiv drängten sich neue Blogger in den Vordergrund und machten den Alteingesetzten ihre Führungspositionen streitig. Die alt eingesessene Runde wollte jedoch nicht kampflos aufgeben und so nahm die Tragödie seinen Lauf. Denn was weder die Alten noch die jungen Wilden ahnten war, dass sich schon zu dieser Zeit die nächste Generation auf den Weg machte, um sie alle hinweg zu fegen. Die wirklich Jungen standen schon in den Startlöchern und warteten nur darauf, es den alten Knackern zu zeigen.

 

Denn es war damals schon ein recht seltsamer Generationskonflikt, da die doch jungen Wilden keineswegs wirklich jünger waren, wie die alten Kochbloggerpioniere. Diese Wilden erdreisteten sich und machten einen Blogevent nach dem Anderen. Da verlor sogar ich den Überblick und sehnte mich nach den alten Tagen, als es nur zwei Eventveranstalter gab. Bei Zorra und Tobias konnte man sich sicher sein, dass sie nur Ehrenwertes im Sinn hatten, beim Gärtnerblog sowieso. Jedoch bei diesen neuen Bloggern konnte man doch sofort erkennen, dass sie genau eines nicht waren, nämlich integer, verantwortungsvoll und solidarisch.

 

Cucina Casalinga war dann die erste, die diesem Treiben etwas entgegen gesetzt hat. Mit ihrer Kampagne „Stoppt den Eventwahn“ hatte sie alle Banner von ihrer Webseite verbannt. Zurück zu den Wurzeln war das Motto dieser neuen Bewegung. „Kein Kommerz, keine Banner, keine Awards, keine Events, keine Schachtelsätze und keine Fotos!“ so war der griffige Wahlspruch der alten Garde. Die reine Lehre des Bloggens war ihr Ziel, die Sprache und die Worte sollten wieder im Mittelpunkt stehen. Zuerst schloss sich Barbara, Bolliskitchen und Küchenlatein an und dann folgten viele der alteingesessenen Blogger. Bei manchen Blogs ging der Riss sogar mitten durch den Blog. Hier kann man nur ein Beispiel für viele nennen. 180 ° implodierte geradezu, als sich ihr Praktikant auf die Seite der jungen Wilden schlug. Was die alten Recken jedoch nicht bedachten hatten, dass es zuerst die altehrwürdigen Eventblogger Zorra und Tobias treffen würde. Da sich kaum mehr Foodblogger an ihren Veranstaltungen beteiligten, schmissen sie bald das Handtuch und stellten nicht nur die Events ein, sondern machten gleich ihren ganzen Blog dicht. Unbeeinträchtigt davon war, wie könnte es anders sein, nur der Gärtnerblog. Ohne Zorras und Tobias Events hatte die alte Garde ihr Zentrum verloren und der Untergang wurde eingeläutet. Dies war aber selbstverschuldet. Es sollte jedoch noch schlimmer für die ehrbaren Blogger werden, denn auch von außerhalb drohte Gefahr.

 

Die jungen Wilden rotteten sich schon längst zusammen. Heimliche Anführerin war damals eine gewisse Astrid, die unter dem Pseudonym „Arturs Tochter“ ihr Unwesen im Internet trieb. Ihr gelungenster Schachzug war es, einige der Blogger auf ihre Geburtstagsparty einzuladen, um dort im Rheinhessischen mit diesen gemeinsam den Umsturz zu planen und die alte Riege abzulösen. Heike, Bushcooks kitchen, Chef Hansen, Pimpimella, sie alle und noch mehr waren an dieser Revolution maßgeblich beteiligt. Nachdem ich jetzt ein paar Einträge in „Facebook“ aus dieser Zeit ausgewertet habe, wage ich zu behaupten, dass sogar eine Weltverschwörung geplant war. Ach, die meisten von euch wissen ja wahrscheinlich gar nicht mehr, was das war. Dieses Facebook, gibt’s schon lange nicht mehr und es würde jetzt zu weit führen zu erklären was das war. Schaut doch einfach mal nach unter www.Internetgeschichtsbuch.de nach. Aber zurück zu den Facebookeintragungen, ich habe mehrere Einträge von Bushcooks kitchen gefunden, in der sie von der Übernahme der Weltherrschaft gesprochen hat. So harmlos, wie sie sich immer gegeben hat, war diese Gruppierung offensichtlich doch nicht. Auch gab es bei diesem Facebook eine Seefahrertruppe, die wahrscheinlich auch irgendwie in das Geschehen verwickelt war. Hier wurden über mysteriöse Wichtelaktionen geheime Botschaften verschickt. Durch diese geniale altmodische Methode mit der Post etwas zu versenden, konnte man die Botschaften auch wirklich geheim halten.

 

Auch fand ein ominöses Treffen in Puchheim statt. “ Bushcooks kitchen“ traf sich heimlich mit „einfach ein schönes Leben“ bei diesem Treffen sollte ein geheimes Artefakt von „Arthurs Tochter“ an den Konditor übergeben werden. Oder war sie am Ende eine Beauftragte der jungen Wilden, um den unwissenden Konditor auf die Seite der Wilden zu ziehen. Genaueres lässt sich nach so langer Zeit leider nicht mehr recherchieren. Hier stellt sich natürlich die Frage, was aus diesem Artefakt geworden ist, kam es wirklich in Puchheim an oder wurde es am Ende jemand anderes überreicht.

 

Der nächste Schritt der hyperaktiven Bloggerin Astrid folgte sogleich, sie verbündete sich mit einer der alteingesessenen Eventmangerin und veranstaltete selbst einen Bloggerevent. Und jetzt kommt das Infame: Ihr Thema war „N“. Jetzt sagen einige natürlich: “Ja und?” Wisst ihr denn nicht, dass man das N nur auf die Seite legen muss und man das Zeichen einer der größten Verschwörungsgruppierungen überhaupt hat. Das tiefergelegte N war schon immer das Symbol der Bielefeld-Connection. Mehr muss man dazu gar nicht mehr sagen. Und uns hat sie damals weisgemacht, dass sie keine Rezepte in ihrer Datenbank mit N hat. Dabei quoll diese Rubrik schon in diesen Tagen über vor Rezepten. Warum hat denn niemand nachgeschaut? Es wäre so einfach gewesen, nur ein Klick und wir hätten sie entlarven können!

 

Aber wir hatten uns noch nicht erholt, da kam schon der nächste Clou. Die Bloggerscene wurde mit Löffeln überschwemmt. (Fortsetzung folgt …..)

 

Jetzt war es doch mein vorletzter Eintrag, ihr wollt doch sicher noch den Rest der Geschichte erfahren?

Es grüßt einer der jungen alten Blogger

 

Ihr Konditormeister Martin Schönleben

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14 Comments

  1. Puuh, jetzt bin ich aber doch froh, dass du erst den vorletzten Blogeintrag geschrieben hast, Martin, kommt der letzte dann 2066?

    Liebe Grüße von Barbara ;-)))

  2. Ach Martin, ich lebe nun schon seit Jahren im Altersheim und bin Dir so dankbar dafür, dass Du mit deiner historischen Arbeit Licht in die Dämmerung der Blogger-Frühzeit bringst. Die Nachwelt wird Dir für das Herausgreifen der Erinnerungen aus dem wogenden Nebel des Vergessens einen Kranz winden. Eine Begebenheit ist Dir indes entgangen, die ich im Sinne der historischen Wahrheitsfindung hier anfüge: Die gescheiterten Friedensverhandlungen zu Würzburg, an denen Vertreter aller beteiligten Kontrahenten den Frieden suchten, aber vor lauter Prassen, Trinken und Palavern verpassten.

    1. Lieber Robert,

      natürlich ist mir die “Würzburger Konferenz” nicht ganz entgangen, Sie kommt ja noch in meinem 2ten Teil der historischen Abhandlung vor. Aber da ich selbst nicht anwesend sein konnte. Kann ich hier natürlich nur vom Hörensagen berichten. Ansonsten könnten wir uns ja einmal in deinem netten Altersheim treffen und über die guten alten Zeiten plaudern. Ich habe da noch ein kleines Mohnblütenlikörchen von Bushcook kitchen gefunden, den könnten wir dann leeren. Und du erzählst mir alles über die Würzburger Friedensverhandlungen.

      Mit einem Friedensgruß

      Martin

  3. und im Jahre 2033 hatten sich die letzten freien wilden Blogger nach langem vergeblichem Kampf den alteingesessenen unterworfen. Allein der tapfere Recke Martin hielt in Puchheim, als letzter Bastion des freien Bloggens, der feindlichen Übernahme noch Stand.

    Mit tapferen Grüßen
    Gruß Linda

  4. …ihr ahnt nicht, was die jungen Wilden noch so hinter den Kulissen planen! Das war doch erst der Anfang! Und die Typen vom Dampfer halten die Fäden in der Hand!!!! Also!

      1. Dann sind die frühen wilden Zwanziger des neuen Jahrtausends die späten ´68 er des vergangenen? Und ich bereits 60? Sakra, hab ich mich gut gehalten.

        1. Siehste wohl liebe Melanie,

          bloggen hält jung, du bist ja eine der Wenigen, die noch übrig sind. Du kannst ja mit mir in die Schweiz fahren, dort besuchen wir dann Robert im Altenheim und trinken gemeinsam ein Gläschen Mohnblütenlikörchen.

          Es grüßt von unterwegs

          Martin

  5. Lieber Martin, da hast du etwas falsch verstanden: Ich habe mich nicht angeschlossen, sondern habe das schon ohne großes “Aufsehen” länger praktiziert. Ich mache nur noch selten bei Events mit, also bitte stelle das richtig

    1. Liebe Ulrike,

      nicht ich habe da etwas falsch verstanden, sondern du, dies ist eine Satire (laut Wikipedia: Satire ist eine Spottdichtung, die mangelhafte Tugend oder gesellschaftliche Missstände anklagt……Die Satire bedient sich häufig der Übertreibung (Hyperbel), kontrastiert Widersprüche und Wertvorstellungen in übertriebener Weise (Bathos), verzerrt Sachverhalte, vergleicht sie spöttisch mit einem Idealzustand (Antiphrasis) und gibt ihren Gegenstand der Lächerlichkeit preis).

      Und da du jetzt ja schon alles richtig gestellt hast, schließe ich mich deiner Darstellung an.

      Liebe Grüße

      Martin

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